Bahnhof Radegast entdeckt

Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch das jüdische Viertel, nahmen wir uns Zeit für einen Besuch der Synagoge .

Synagoge von Breslau
Gemälde von Lev Stern „Die neue Synagoge unter Wasser“

Die Synagoge wurde 1829 fertiggestellt.

Während der Novemberprogome wurde die Synagoge nicht angezündet, weil sie in Wohnbebauungen eingebettet ist. Sie diente von da an als Garage und Lager für geraubtes Eigentum von Juden.

2010 wurde das Gotteshaus als Veranstaltungshaus neu eröffnet.

Den restlichen Vormittag verbrachten wir in und auf der Magdalenenkirche. Diese hat zwei Kirchtürme, dazwischen gibt es eine 45 Meter hohe Brücke. Von diesem Aussichtspunkt genossen wir den phantastischen Ausblick auf Wroclaw.

Wer zum Sightseeing in Breslau unterwegs ist, der wird überall auf kleine Zwerge stoßen. Sie klettern auf Laternen, betrinken sich auf der Straße und machen mit Motorrädern den Eingang zur Kirche unsicher. Doch keine Angst, bei den kleinen Rabauken handelt es sich nur aus Bronze gefertigte Figuren, die Anwohnern und Touristen Glück bringen sollen.

Zwerge auf der Büserinnenbrücke

Die Bewegung der Zwerge begann in den 1980er Jahren, als Demonstranten den Zwerg als Protestsymbol gegen den Kommunismus auf Hauswände malten.

Seit 2001 werden sie in Breslau aus Bronze gegossen, inzwischen gibt es über 600 verschiedene.

Die größte Zwergengruppe fanden wir auf dem Platz der Freiheit. Dort gibt es seit 2015 ein Konzerthaus, das Forum für nationale Musik mit 4 Sälen, einer davon fast 1800 Personen!

Zwergenorchester
Konzerthaus

Wir fahren weiter nach Lodz. Schon im Vorfeld haben wir uns über Sehenswürdigkeiten informiert und suchen daher das Ghetto Litzmannstadt. Auf google finden wir nur eine numerische Adresse und auch sonst weisen keine Schilder darauf hin.

Es erwartet uns ein Mahnmal in Form eines riesigen Schornsteins mit der Aufschrift „Thou shalt not kill“ (Aus den 10 Geboten: Du sollst nicht töten). Im anhängenden Gang sieht man die Geschichte des Ghettos gegliedert durch Jahreszahlen. Besonders beeindruckend sind die ausgestellten Listen der Insassen und einige übriggebliebene Habseligkeiten.

Der Weg zum Bahnhof ist voller Listen

Am Ende des Gangs liegen Schienen. Von hier sieht man den Bahnhof Radegast, neben dem eine Lokomotive mit Transportwagons aus der Zeit steht. Einen kann man sogar betreten, das Gefühl ist bedrückend.

Auch das Bahnhofshäuschen als Umschlagepunkt 1000er Juden steht zum Besuch offen. Hier lernen wir, dass man den Ort besser finden kann, wenn man nach Museum Radegast sucht.

Blick in einen Wagon

Im Inneren steht ein Miniaturmodell des damaligen Ghettos. Dies macht heute einen eigenen Stadtteil aus, wobei die meisten der Häuser heute so noch stehen. Die rund 150.000 Juden aus dem Ghetto wurden jedoch nach Kulmhof am Ner und andere Todeslager deportiert.

An den eingrenzenden Wänden des Denkmals hängen Tafeln von all den Ländern, die hier auch Juden hingeschickt haben. Aus Wien etwa 10.000 Juden und Roma und Sinti. 5.000 Juden aus dem Berlin oder Juden aus Luxemburg. Sie alle sprechen hier ihr Beileid aus.

Modell von Litzmannstadt, noch nicht fertig

Insgesamt ist der Bahnhof Radegast ein sehr sehenswerter Ort, der auf jeden Fall besucht werden muss. Ein schrecklicher Teil unserer Geschichte interessant und kunstvoll hergerichtet.

Da wir in Lodz keine passende Unterkunft finden, fahren wir weiter in Richtung Warschau. Es verschlägt uns in dem kleinen Ort Zyrardów unweit der Autobahn. Früher beherrscht durch die Weber-Industrie, prägen Fabriken das Stadtbild.

1829 wurde hier die Leinenweberei begründet. Sie war eine der größten und modernsten Leinenfabriken des damaligen Europas. Der Name Żyrardów wird mit dem ersten technischen geschäftsführenden Leiter Phillipe de Girard verbunden. Er war unter anderem der Erfinder einer Leinengarnverarbeitungsmaschine.

Ehemaliges Industriegelände

Diese sind jedoch modern hergerichtet und zu beispielsweise Shopping-Meilen umfunktioniert worden. Es ist eine freundliche Kleinstadt, die ihre Vergangenheit in das Stadtbild einfließen lässt. Wir übernachten im Aparthotel Stara Przedzalnia, schon wieder ein Boutiquehotel.

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