Am Morgen entscheiden wir uns weiterzufahren und der Nordsee einen Besuch abzustatten. Es soll nach Cuxhaven am Wattenmeer gehen.
Wir fahren auf die Autobahn, kommen gut voran und überqueren die Grenze.
Woran bemerken wir, das wir in Deutschland zurück sind? Ok, wir haben trotz Schengen ein Grenzschild gesehen. Der große Unterschied zu unserer langen Reise: das Internet, unser treuer Begleiter bricht zusammen. Unglaublich, wir haben wochenlang nicht darüber nachgedacht, es war immer und meist hervorragend, verfügbar.
Wir finden den Weg Dank Navi trotzdem.
Nach der Autobahn befahren wir die B 495. Die Sonne lacht, das Thermometer klettert Richtung 30°, wir haben nur noch 70 km und wundern uns, das unser Navi noch 2 Stunden errechnet.
Plötzlich, eine Autoschlange. Ein Ende ist nicht zu sehen, das muss unsere Fähre nach Glückstadt sein. Die einzige Elbquerung nördlich von Hamburg.
Schnell wird uns klar, hier brauchen wir mindestens 1 Stunde.
Die Elbe ist ca. 3,5 km breit. Eine Fähre fasst ca. 50 Fahrzeuge, theoretisch. Hier stehen Camper, Pkws mit Hänger und viele Lkws.
Wir haben Zeit, also zählen wir – max. 25 Fahrzeuge pro Fähre und es ist noch Vorsaison. Die armen Anwohner denken wir. Ständig nicht endend wollende Blechlawinen und selber kann man nicht schnell mal über die Elbe.

Wir sind ständig über oder unter Gewässern im ganzen Norden flüssig unterwegs gewesen und nun so etwas im Land der Ingenieure – traurig.
Es wird für 2021 tatsächlich ein Tunnel geplant – danach 6 Jahre Bauzeit. Warum übergibt man so ein Projekt nicht an Nationen, die über ein solches Projekt lächeln würden und tut etwas für die Anwohner?
Auf der Fähre wird uns klar, was ein Schwede mit dem Satz meinte: „in Deutschland komme ich mir immer vor wie 1976.“ Wir wollen wie in 9 anderen Ländern das Fährticket mit unserer MasterCard bezahlen. Der Fährmann schüttelt nur müde den Kopf – nur Bargeld. Ohje, die arme Familie hinter uns. Sie kommen aus Norwegen, wo es keinen € gibt. Man muss sich als Deutscher wirklich schämen, wir schreiben das Jahr 2019 und nicht 1976!
Gegen Mittag kommen wir in Cuxhaven an. Hier mündet die Elbe in die Nordsee. Hier ist das größte deutsche Seeheilbad. Hier ist auch der nördlichste Punkt Niedersachsens.
Wir treffen in diesen wunderbaren Ort zum 10 Jährigen Geburtstag „UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer“.
Das Wattenmeer ist natürlich landesübergreifend : Dänisch- deutsch- niederländisch.
Am 26.06.2009 wurde die einzigartige bizarr schöne Naturlandschaften von der UNESCO aufgenommen. Es steht damit auf einer Stufe mit dem Grand Canyon oder dem Great Barrier Reef. Das ist die höchste internationale Anerkennung, gleichzeitig auch Verpflichtung. Hier gibt es 10.000 Tier- und Pflanzenarten, die sich an die anspruchsvollen Lebensbedingungen zwischen Land und Meer sowie den Gezeiten angepasst haben.
Dieses Wattgebiet ist mit 500km das längste der Welt. Hier wurden aus 5.000 (Mitte der 70er Jahre) 40.000 Seehunde und aus wenigen hundert 5.000 Kegelrobben.
Wir finden in Strandnähe einen Parkplatz und müssen uns bei über 30° nur noch mit Badebekleidung, Sonnenmilch und Wasser versorgen.
Wir laufen über den heißen Strand und sind schnell im Watt.
Zwischen Cuxhaven und Elbmündung oder zu den Seehundebänken oder zur Insel Neuwerk kann man wandern, wenn man mag, auch mit einem Pferdewagen fahren.
Die Wattwanderwege sind mit Buschricken gekennzeichnet. Wer sich in der Zeit vertut und bei Eintreten der Flut nicht rechtzeitig zurück ist, geht zu den Rettungsbaken.

Das besondere, bei Ebbe wird Sand und Schlick freigelegt.
Wir laufen einfach der Flut entgegen. Es ist ein großartiges Erlebnis. Mit der heutigen Temperatur ein Genuss. Der Boden und das z.T. Niedrigwasser ist körperwarm. In einigen Prielen spielen vergnügt Kinder. Gut, das wir mit Sonnenmilch gut versorgt sind. Die Sonneneinstrahlung ist enorm und wird vom feuchten Boden auch noch reflektiert. Nachdem wir etliche Muscheln und Krebse gesehen haben schauen wir besser nach unten. Eine Fußverletzung wäre sicher nicht gut, wir laufen einige km.

Wir gehen bis zum knietiefen Wasser und sind überrascht wie warm das ist. Wir müssen an Thailand denken. Auch sind wir den wirklich großen Schiffen gefühlt viel näher. Ein cooles Gefühl.


Nach unserer Rückkehr am Strand würden wir gern Duschen. Nach einigem Suchen finden wir wenigstens eine Fußdusche. Einige ältere Touristen laufen auch irritiert herum, warum kann man sich am Strand nicht einfach duschen? Was machen all die Eltern, deren Kinder vergnügt im Watt gespielt haben? Hoffentlich gab es an einem versteckten, nicht auffindbaren Ort ganz viele Duschen.
Der schöne Tag rief direkt nach einem großen Eisbecher. Eisdielen gab es auch viel mehr als Duschen. Nur war da wieder das deutsche Problem: Ware nur gegen Bargeld. Sehr schade. So fahren wir mit vielen tollen Eindrücken aber ohne Eis weiter.































































































































































































































