15. Juni 2019
Wir schlafen aus, sehen draußen Regenwetter und machen uns einen gemütlichen Vormittag.
Um 12 Uhr fährt der Bus zurück nach Wyborg.

Dort angekommen, stehen uns 2 Stunden Freizeit zur Verfügung.
Wir schlendern zum Marktplatz und trauen unseren Augen nicht.


Der Markt und der angrenzende Park wurden aufwendig zu einem Kriegsschauplatz umgestaltet. Wir befinden uns mit allen Originalrequisiten im Jahr 1944.


Heute wird hier der Sieg über Finnland, vor 75 Jahren gefeiert.
Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Wyborg zunächst an das unabhängig gewordene Finnland. Mit fast 50.000 Einwohnern war die Stadt damals die zweitgrößte des neuen Staates.

Im Winterkrieg 1939/40 und im Fortsetzungskrieg 1944 okkupierte die Sowjetunion den größten Teil Kareliens mitsamt Wyborg.
Am 9. Juni 1944 begann die sowjetische Artillerie eine zehnstündige Artillerievorbereitung.
Am 20. Juni konnten die sowjetische Armee Wyborg einnehmen.
Die sowjetischen Truppen überquerten bald den Fluss Sestra der bis zum Winterkrieg die sowjetisch-finnische Grenze gebildet hatte.
Die nach dem Winterkrieg neu gezogene sowjetisch-finnische Grenze verlief auf den Saimaasee im finnischen Kernland.

In den folgenden Wochen konnten jedoch die Finnen den sowjetischen Vormarsch in Finnland stoppen.
Die unerwartet erfolgreiche Verteidigung der Finnen unter Führung von General Oesch in der Schlacht von Tali-Ihantala wird als Ausgangsbasis für die Rettung Finnlands gewertet.
Wir schauten uns das Treiben mit Volksfestcharakter distanziert an. Wir fühlen uns unwohl, sehen glückliche Familien, Männer in Uniformen und Kinder mit Kriegsspielzeug.

Wer noch nicht genug ausgestattet ist kann natürlich alles erwerben.
Wir sind hin und her gerissen zwischen weggehen und irritierten stehen bleiben.


Nach einer Viertelstunde wird die Szenerie mit ohrenbetäubenden Lärm „abgerundet„. Kein mittelalterliches Straßenfest wie zu Hause. Jetzt beginnen echte Kampfhandlungen mit voller Kulisse.


Der Irrsinn wird noch getoppt, am Mikrofon versucht jemand zwischen Donnerschlägen zu kommentieren.
Wir halten es 10 Minuten aus, sehen Mütter mit Kleinkindern, Großeltern, Familien.
Mir wird wirklich übel und wir fliehen in die Markthalle in der Nähe.
Zurück am Schiff, mit dem wir in unser großartiges Europa fahren dürfen, sehen wir viele irritierte Mitreisende. Den Blick unserer finnischen Reiseleiterin jedoch werde ich wohl nie vergessen. Sie war tief erschüttert.
Auf unserer Reise nach und durch St. Petersburg haben wir uns mit 2 Paaren aus Regensburg und Saalfeld angefreundet. Wir verbringen die Rückfahrt von 5 Stunden mit Karten spielen und netten Gesprächen.
Am Abend schließen wir uns einem Paar an und fahren auf den nahen Campingplatz. Wir unterhalten uns noch bis in den frühen Morgen. Es ist noch nicht dunkel und wir genießen die Zeit.

