13. Tag Rückreise von Russland nach Europa

15. Juni 2019

Wir schlafen aus, sehen draußen Regenwetter und machen uns einen gemütlichen Vormittag.

Um 12 Uhr fährt der Bus zurück nach Wyborg.

Marktplatz Wyborg wie 1944

Dort angekommen, stehen uns 2 Stunden Freizeit zur Verfügung.

Wir schlendern zum Marktplatz und trauen unseren Augen nicht.

Der Markt und der angrenzende Park wurden aufwendig zu einem Kriegsschauplatz umgestaltet. Wir befinden uns mit allen Originalrequisiten im Jahr 1944.

Heute wird hier der Sieg über Finnland, vor 75 Jahren gefeiert.

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Wyborg zunächst an das unabhängig gewordene Finnland. Mit fast 50.000 Einwohnern war die Stadt damals die zweitgrößte des neuen Staates. 

Im Winterkrieg 1939/40 und im Fortsetzungskrieg 1944 okkupierte die Sowjetunion den größten Teil Kareliens mitsamt Wyborg.

Am 9. Juni 1944 begann die sowjetische Artillerie eine zehnstündige Artillerievorbereitung.

Am 20. Juni konnten die sowjetische Armee Wyborg einnehmen.

Die sowjetischen Truppen überquerten bald den Fluss Sestra der bis zum Winterkrieg die sowjetisch-finnische Grenze gebildet hatte.

Die nach dem Winterkrieg neu gezogene sowjetisch-finnische Grenze verlief auf den Saimaasee im finnischen Kernland.

ohne Worte

In den folgenden Wochen konnten jedoch die Finnen den sowjetischen Vormarsch in Finnland stoppen.

Die unerwartet erfolgreiche Verteidigung der Finnen unter Führung von General Oesch in der Schlacht von Tali-Ihantala wird als Ausgangsbasis für die Rettung Finnlands gewertet.

Wir schauten uns das Treiben mit Volksfestcharakter distanziert an. Wir fühlen uns unwohl, sehen glückliche Familien, Männer in Uniformen und Kinder mit Kriegsspielzeug.

Wer noch nicht genug ausgestattet ist kann natürlich alles erwerben.

Wir sind hin und her gerissen zwischen weggehen und irritierten stehen bleiben.

Nach einer Viertelstunde wird die Szenerie mit ohrenbetäubenden Lärm „abgerundet„. Kein mittelalterliches Straßenfest wie zu Hause. Jetzt beginnen echte Kampfhandlungen mit voller Kulisse.

Der Irrsinn wird noch getoppt, am Mikrofon versucht jemand zwischen Donnerschlägen zu kommentieren.

Wir halten es 10 Minuten aus, sehen Mütter mit Kleinkindern, Großeltern, Familien.

Mir wird wirklich übel und wir fliehen in die Markthalle in der Nähe.

Zurück am Schiff, mit dem wir in unser großartiges Europa fahren dürfen, sehen wir viele irritierte Mitreisende. Den Blick unserer finnischen Reiseleiterin jedoch werde ich wohl nie vergessen. Sie war tief erschüttert.

Auf unserer Reise nach und durch St. Petersburg haben wir uns mit 2 Paaren aus Regensburg und Saalfeld angefreundet. Wir verbringen die Rückfahrt von 5 Stunden mit Karten spielen und netten Gesprächen.

Am Abend schließen wir uns einem Paar an und fahren auf den nahen Campingplatz. Wir unterhalten uns noch bis in den frühen Morgen. Es ist noch nicht dunkel und wir genießen die Zeit.

Schönes St. Petersburg

14. Juni 2019

Unser Tag beginnt früh. Wir wollen den Tag gut nutzen, stärken uns und los geht’s.

Wir laufen zur nächsten Metro und lassen uns in den Fluss der Menschen mitziehen.

Es geht sagenhafte 95m in die Tiefe. Egal wie weit man fährt, eine Fahrt gibt es für 45ct. Großartig, das ist der einzig, richtige Weg für saubere Städte.

Nach einmaligem Umsteigen kommen wir am Kronverkskiy Prospekt, an der blauen Moschee an.

Sie kann bis zu 5000 Gläubige aufnehmen und war bis 2009 das einzige islamische Gotteshaus der Stadt.

Als sie 1913 eröffnet wurde, war sie die größte Europas.

Blaue Moschee St. Petersburg

Von dort liefen wir zur Peter und Paul Festung. Sie ist eine Festungsanlage aus dem frühen 18. Jahrhundert, die den Ursprung und das historische Zentrum der Stadt bildet. Die auf der Haseninsel in der Newa gelegene Anlage beherbergt heute vor allem Ausstellungen und Museen und ist sowohl Touristenmagnet als auch Erholungsort der Städter.

Kurze Anmerkung: Die schwarzen Striche auf einzelnen Fotos waren nicht zu vermeiden. Das sind die Vielzahl von Stromleitungen, die nicht wie in Deutschland unter der Erde sind.

Wir machen einen kleinen Umweg zum Panzerkreuzer Aurora.

Die Aurora ist ein Kriegsschiff der ehemaligen kaiserlich russischen Marine und liegt seit 1956 als Museumsschiff in St. Petersburg. Das Schiff gilt unter der Bezeichnung Panzerkreuzer Aurora als Symbol der Oktoberrevolution.

Der Weg von dort zur Hauptattraktion der Stadt führt nur noch über die Newa.

Wir erreichen den Palastplatz und sind sprachlos.

Erimitage mit historischer Kutsche

Einfach großartig hier. Wir schlendern umher und treffen uns gegen Mittag mit unserem Führer. Er ist ein 26 – jährigem Mann, der einen Master in orientalischen Sprachen hat. Ein sympathischer, sehr bescheidener, gebildeter Mann. Ein Glücksfall für uns. Wir fragen ihn, ob er auch eine deutsche Führung machen würde. Er entschuldigt sich, den das hätte er „nur“ in der Schule gelernt.

In 3 Stunden macht er nicht einen Fehler! In dieser schwierigen Sprache. Er kann jede Frage beantworten und hält sich zurück während wir – mit staunenbeschäftigt sind.

Haupteingang

Wir müssen nirgends anstehen und er nimmt uns in eine andere Welt mit, einzigartig.

Er streut ganz dezent und wohlüberlegt kritische Bemerkungen am hiesigen politischen System ein. Wir hatten viel Spaß.

Die Ermitage an der Newa ist eines der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Auch der Gebäudekomplex, der das Museum beherbergt und zu dem der berühmte Winterpalast gehört, wird heute zusammenfassend als Eremitage bezeichnet. 

Zu den ausgestellten Bildern gehören Werke holländischer und französischer Meister wie Rembrandt, Rubens, Matisse und Paul Gauguin.

El Greco
Italienische Abteilung

Außerdem sind zwei Gemälde des italienischen Universalgenies Leonardo da Vinci ausgestellt. Das Museum hat etwa 2.500 Mitarbeiter.

Typisch Rembrandt, einfache Menschen – Gesicht und Hände
Rembrandt malte Jesus als Mensch, deshalb wollte die Kirche dieses Bild nicht
Da Vinci
Raffaello
Michaelangelo

Wir staunen, das man an alle Objekte herantreten, meist auch berühren kann. Alles ist sehr entspannt.

Nach der russischen Revolution von 1917 wurde der benachbarte Winterpalast, die ehemalige Hauptresidenz der russischen Zaren, ebenfalls dem Museum übertragen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Deckenmotive werden immer im Parkettboden aufgenommen
Römische Abteilung- Granitsäulen

Hier eine Information für unsere bayerischen Freunde.

Leo von Klenze, bayerischer Hofarchitekt, errichtete zwischen 1839 und 1852 die Neue Eremitage als letztes Gebäude; es ist vielleicht das einzige seiner Werke, das ohne die restriktiven Stilwünsche Ludwig des I von Bayern und somit ganz und gar nach Klenzes Vorstellungen entstand. Es ist das einzige Gebäude, das nicht direkt an der Newa steht. 

In der Neuen Eremitage befindet sich unter anderem ein kompletter Nachbau eines eigentlich von Raffael im Vatikan gestalteten Ganges.

Die von Terebenjow mit 150 Bildhauern und Steinmetzen in Serdabol-Granit ausgeführten 10 Telamone am Ostportal sind die heute vielleicht berühmtesten Atlas-Figuren dieser Art weltweit.

Pfauenauge aus 1770

Heute setzen dieser gesamten Gebäudeanlage vor allem die großen Besuchermassen, die mangelnde Standfestigkeit auf Sumpfgebiet sowie die Feuchtigkeit direkt am Fluss zu. Eine Sanierung erfolgte im Jahre 1984 und eine weitere im Jahre 2005.

Garten im Innenhof des 1. OG

Unser nächstes Ziel war die Isaak Kathedrale.

Sie ist die größte Kirche St. Petersburg und einer der größten sakralen Kuppelbauten der Welt.

Sie wurde bis 1825 anlässlich des Sieges über Napoleon gebaut.

Die Errichtung der 101 Meter hohen Hauptkuppel zog sich von 1837 bis 1841 hin. Sie war die erste große Kuppel in Metallbauweise weltweit.

Am 10. Januar 2017 verkündete der Gouverneur von St. Petersburg, dass die Kathedrale der Russischen Orthodoxen Kirche zurückgegeben werden soll. Umgehend kam es zu Protesten gegen diese Absicht und bis Januar 2019 gab es keinen entsprechenden Antrag. Laut Umfragen gibt es in einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung keine Unterstützung für einen solchen Übertrag.

Die Auferstehungskirche ist auch „Blutkirche“ bekannt. Sie ist nach dem Vorbild der Moskauer Basilius Kathedrale gestaltet und als einziges großes Kirchengebäude der Petersburger Innenstadt, das nicht italienischen und klassizistischen westlichen Baustilen folgt, entsprechend auffällig. 

Die Orientierung an der ornamentalen und bunten Dekorationsweise der altrussischen Kunst aus der Epoche vor Peter I., die sich der westlichen Kultur noch nicht geöffnet hatte, entsprach der in der zweiten Jahrhunderthälfte am Zarenhof gepflegten Rückwendung hin zu nationalen Traditionen.

Altar

Jetzt brauchen wir etwas Entspannung und schlendern zurück zum Newskiprospekt. Wir schauen in einige Läden rein und genießen die Athmosphäre und verschiedene Produkte.

Paula möchte eine Bluse aus dem Stockmann (Designerkaufhaus) kaufen. An der Kasse werben sie mit steuerfreiem Verkauf für internationale Gäste.

Um diesen Rabatt zu bekommen, muss man seinen Pass vorzeigen. Dieser wird jedoch beim Einchecken ins Hotel abgenommen und wird erst vor der Ausreise wieder zurückgegeben.

Nette, junge Russinnen haben für uns übersetzt und versucht zu helfen. Hier war jedoch nichts zu machen und das Schild stellt sich somit als unnötig heraus.

Vor der Rückkehr ins Hotel kaufen wir den lang ersehnten Champagner und lassen nach fast 30.000 Schritten den Abend mit Brut ausklingen. Morgen geht es ja schon zurück.

Auf dem Saimaa Kanal von Finnland nach Russland

13. Juni 2019

Wir müssen heute sehr früh aufstehen. 7:30 Uhr sind wir am Hafen und müssen einchecken. Heute „verlassen“ wir Europa in Richtung Russland.

Dieser Kanal wurde für die holzverarbeitenden Industrie bereits 1856 eingeweiht.

Die Länge beträgt von Laappenranta  bis zur Schleuse bei Wyborg (Russland) 42,93 Kilometer, davon liegen 19,60 Kilometer auf russischem Territorium. Die Höhendifferenz beträgt 76 m. Acht Schleusen werden dafür benötigt.

Die Fahrt ist kurzweilig, einzige Voraussetzung: man muss sehr lärmunempfindlich sein.

In einer Schleuse

Nach 5 Stunden Fahrt erreichen wir Wyborg.

Wyborg liegt in Karelien und wurde im Mittelalter von den Schweden gegründet.

Die Bevölkerung der Stadt bestand ehemals aus zahlreichen Nationalitäten, insbesondere aus Finnen, Russen, Schweden und Deutschen. Heute besteht sie zu über 90 % aus Russen. Grund dafür ist, dass das finnische Wyborg im Winterkrieg 1939/40 an Russland viel und im Anschluss alle Finnen vertrieben wurden.

Nach unserer Ankunft brauchten alle viel Geduld. Die Einreise der knapp 100 Touristen zieht sich über eine Stunde.

Für uns ist seit heute Morgen Urlaub vom Urlaub. Betreutes Reisen hat auch Vorteile. Bis Samstag Abend müssen wir uns um nichts kümmern– das Gegenteil von der bisherigen Reise.

Die Busfahrt verlief ruhig und dauerte 2 Stunden.

Bevor irgendetwas von St. Petersburg zu sehen ist, wird die Landschaft vom Lakhta Center überragt. Es bietet in St. Petersburg wohl eine allzeit freie Sicht auf das benachbarte WM-Stadion. Mit 462 Metern ist es das aktuell höchste Gebäude Europas.

Wir hatten davon noch nie etwas gehört.

Es soll als Kern einer neuen City das historische Zentrum entlasten. Neben einer Aussichtsplattform gibt es hier auch Cafes, Restaurants, Kultur- und Sporteinrichtungen. Außerdem sitzt hier die Konzernzentrale von Gazprom.

Wir fahren in die Stadt und bemerken keine Unterschiede zu anderen Metropolen. Hier ist alles in der Gegenwart angekommen, von den Straßen bis zu den Gebäuden oder Menschen, die wir sehen.

Unser Hotel heißt Oktober und steht im Newskiprospekt. Das ist die Hauptstraße der Stadt.

Die Straße wurde zwischen 1711 und 1721 als Verbindung zwischen der Admiralität im Westen und dem Alexander Newski Kloster im Osten der Stadt angelegt. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich daraus zunehmend eine Prachtstraße von 4,5 Kilometern.

Wir beide freuen uns auf Sanitäranlagen nach zwei Tagen Wildcampen. Besonders auf die Badewanne, die sofort genutzt wird!

Wir haben 2 Stunden Zeit und um 19 Uhr geht die Stadtrundfahrt auf der Newa (Fluss) los.

Nach der kurzen Erfahrung des hiesigen Straßenverkehrs ist die Bootstour eine willkommene Abwechslung. Wir dürfen viele schöne Seiten der Stadt entdecken und staunen, in welch gutem Zustand alles ist. Bis weit nach 22 Uhr ist es taghell und die Straßen sind voller Menschen.

Wir sind gegen 23 Uhr zurück und haben Lust auf „russischen Champagner“. Den kann man auch an der nächsten Ecke kaufen.

Der Preis liegt zwischen 2,50€ und Brut bei 3,80€. Dafür gibt es in Finnland Wasser! Leider dürfen wir ihn nicht mitnehmen, weil man Alkohol nur bis 21 Uhr kaufen darf, schade.

Der interessanteste Preis war heute Benzin. Ein Liter kostet weniger als 50 Cent.

Auf dem Weg nach Lappeenranta

12. Juni 2019

Wir genießen den Morgen am Meer. Nach dem Frühstück trauen wir uns ins doch recht kalte, aber sehr klare Wasser. Nun sind wir richtig wach und machen uns auf den Weg nach Lappeenranta.

In der Natur südlich von Kotka

Die erste Station ist Kotka. Das ist eine Hafenstadt im Süden des Landes. Es gibt einen sehr großen Hafen und das „Maretarium“-Aquarium.

Aquarium

Der Hafen ist der größte Exporthafen Finnlands.

Die Stadt ist sehr gepflegt, aber viel interessantes gibt es nicht.

Wir entscheiden weiterzufahren. Nächster Stopp wird Hamina sein.

Diese Stadt ist global die einzige, die achteckig angelegt ist. In der Mitte der Stadt liegt das Rathaus.

Hamina zählt zu den schönsten Städten Südfinnlands.

Hamina ist der Standort der Reserveoffiziersschule. Sie ist in einem prächtigen Gebäude aus dem Jahre 1898 untergebracht, das eher an Sankt Petersburg als an eine finnische Kleinstadt erinnert.

Von einer Stadtkarte lernen wir mehr über die Geschichte der Stadt: In ihrer ersten Form wurde sie im Jahr 1653 gegründet. Da sie das Recht hatte, am Außenhandel teilzunehmen, erlangte sie rasch großen Wohlstand. Dann kam es zum großen nordischen Krieg und alles wurde zerstört. Man entschloss sich, die Stadt in der runden Form wieder aufzubauen und zur Festung umzufunktionieren. Grund hierfür war die damalig schwedische Regentschaft, die sich vor den Russen schützen wollten.

Dieser runde Aufbau der Altstadt ist sehr besonders – nur wenige Städte auf der Welt sehen heute noch so aus.

Die Bastion ist bis heute noch erhalten und zeigt an einigen Stellen ihr Gesicht. Auch die militärische Vergangenheit spielt eine Rolle: wir sehen eine große Kadettenschule.

Im Stadtkern steht die Marienkirche aus dem 15. Jh. Sie ist das älteste Gebäude der Region. Außerdem ist die Hauptkirche der evangelisch- lutherischen Gemeinde.

Marienkirche

Die orthodoxe Kirche  Peter und Paul hat eine markante Kuppel und wurde 1832 als russische Garnisonskirche gebaut.

Die Johanneskirche ist die dritte, die für die Einwohner von Hamina gebaut wurde. Die Kirche hat die Form eines griechischen Tempels. Vor dem Bau der Kirche stand hier das Gebäude mit der Wohnung des Festungskommanden.

Johanniskirche

Die Zentralbastion oder Hamina Bastion wurde von 1801 bis 1811 gebaut. Die 58 Räume wurden als bombensichere Lager angelegt. Heute wird die Bastion als Veranstaltungsort genutzt.

Im Hafen von Hamina

Wir fahren weiter nach Verla, ein sehr interessanter kleiner Ort.

Das Fabrikdorf ist in seinem ursprünglichen Zustand aus der Zeit der Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert erhalten. Kernstück ist die Papierfabrik, in der Holzschliffkarton hergestellt wurde.

Das ehemalige Sägewerk ist genau so erhalten, wie es am letzten Arbeitstag vor etwa 40 Jahren verlassen wurde. Von der Fabrikhalle und Fabrikantenhaus bis hin zu den Arbeiterhütten ist alles in sehr guten Zustand erhalten.

Siedlung der Fabrikarbeiter

Der Fabrikherr war auch an der Ausbildung der Dorfbewohner interessiert, 1890 gründete er eine kostenlose Grundschule für die Kinder von Verla.

Der Grund dafür ist, dass Verla zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt wurde.

Es ist alles sehr friedlich an dem naheliegenden See und wir besuchen anliegende Geschäfte mit hiesigen Produkten aus traditioneller Herstellung.

Auch das Museum ist einen Besuch wert und wir sehen eine Ausstellung dazu, wie man Holz und Wald in der Zukunft umweltfreundlich einbeziehen kann.

Am Nachmittag haben wir das westlichste Ziel unserer Autoreise erreicht. Morgen werden wir zunächst auf dem Wasserweg von Lappeenranta nach Sankt Petersburg reisen.

Hafen von Laappenranta

Im Hafen findet gerade ein Bikertreffen statt. Hier wird die weite Umgebung mit Heavy Metal Music beschallt. Wir suchen uns ein Quartier außerhalb der Reichweite dieser Musik.

Porvoo- hier kann man wirklich entspannen

11. Juni 2019

Die Nacht im Zelt war sehr gut und wir schlafen bis 10 Uhr. Wahrscheinlich sind wir diese Ruhe einfach nicht mehr gewohnt.

Zunächst verbringen wir etwas Zeit bei McDonalds. Hier sind Sanitäranlagen und gutes WLAN.

Blick vom Fluss auf die Altstadt

Anschließend geht es in die Altstadt von Porvoo und beginnen den Tag am Kirchplatz in einer Bäckerei mit gutem Frühstück, oder war es schon Mittag…?

In der Bäckerei

In dieser Altstadt kann man schlendern und sich in einer anderen Zeit wiederfinden.

Die Häuser sind alle aus Holz, meist ochsenblutrot.

Der Dom von Porvoo stammt aus dem 15. Jahrhundert. Er ist sehr beliebt für Trauungen, insbesondere bei Prominenten.

Wir genießen es, am Fluss zu laufen. Hier ist es sehr stimmungsvoll mit der malerischen Kulisse.

Am Marktplatz bewundern wir das älteste Rathaus Finnland’s von 1764.

In dieser Stadt leben ein Drittel Schweden, landesweit nur noch 8%.

Wir entscheiden uns anschließend Richtung Kotka zu fahren. Vorher biegen wir zum Meer ab und schlagen unser Zelt in den Schären auf.

Auch hier sind die einzigen Geräusche von den Vögeln.

Finnland, wir kommen!

10. Juni 2019

Heute morgen scheint wie immer die Sonne, aber es ist mit 19° merklich kälter.

Wir genießen unser Frühstück und packen. Anschließend lassen wir das morgendliche Tallinn nochmal auf uns wirken.

Wir fahren durch die ehemaligen Fischersiedlungen. Davon ist heute nicht mehr viel zu sehen.

Hier haben sich die jungen, hippen Menschen angesiedelt. Insbesondere die Start – Ups sind hier zu finden. Es ist alles wassernah und modern wie in vielen europäischen Großstädten.

Abschied von Tallinn

Vor der Auffahrt auf die Fähre werden wir im Hafenbereich angehalten: der Fahrer muss blasen, um Alkohol auszuschließen. So macht man den Straßenverkehr auch in Finnland sicher.

Die Fährenfahrt war kurzweilig, sonnig und selbstverständlich gab es kostenfreies WLAN.

Dank Schengen sind wir in wenigen Minuten mitten in Helsinki.

Ankunft Helsinki

Wir parken in der Nähe des Felsendomes und besuchen diesen.

Wir haben Glück und dürfen einer Pianistin lauschen. Wir setzen uns und genießen die Stimmung.

Im und auf dem Felsendom

Mit dieser Stimmung laufen wir wenige Meter und gehen in die Kapelle der Stille. Sie ist komplett aus Holz und dient dem Großstädter und Touristen tatsächlich zum inne halten. Gottesdienste gibt es hier kaum.

Wir schlendern nun durch die Innenstadt und Esplanade zur evangelischen Kathedrale . Sie ist durch ihre Präsenz die Hauptattraktion der Stadt.

Von dort geht es über den Markt an den Hafen zum Sauna – Schwimmbad. Das Besondere sind die ins Hafenbecken gelassenen Becken und das große Holz- Sonnendeck. Dieses steht jedermann zur Verfügung.

Der Rückweg führt an der Markthalle und dem schönen Bahnhof vorbei zum Auto.

Wir fahren noch durch wunderbare Wohngebiete z. T. am Wasser gelegen und schauen uns den John Sibelius Park an.

Das ist das meistbesuchte Denkmal in Finnland.

Sibelius Denkmal- bei Wind geben die Röhren Töne ab

Heute entschließen wir uns, vom Jedermanns – Recht Gebrauch zu machen. Wir fahren in der Nähe von Porvoo in den Wald und schlagen unser Zelt auf.

Von Reval bis Tallinn- vom Mittelalter bis zur Digitalisierung

09. Juni 2019

Wir genießen die Morgensonne und entscheiden uns, auf direktem Weg nach Tallinn zu fahren. Von unserem Quartier auch ist die Fahrtstrecke weniger als 200 Kilometer

Den Namen Tallinn trug die Stadt im Estnischen bereits seit der Eroberung durch den dänischen König Waldemar im Jahr 1219. Er wird üblicherweise abgeleitet von Taani-linn(a), was „Dänische Stadt“ heißt.

Hier wohnt jeder dritte Este (430.000) und man kommt nach 80km Seeweg bereits nach Helsinki.

Nach sehr wechselhafter Geschichte mit wechselnden Eroberern wurde am 24. Februar 1918 die selbständige Republik Estland ausgerufen.

Platz der Freiheit mit Denkmal

Platz der Freiheit mit Johanniskirche

Zwischen sowjetischer Altlast und digitaler Zukunft feiert Estland im vergangenen Jahr 100 Jahre Unabhängigkeit. In der Hauptstadt Tallinn ist der Übergang besonders offensichtlich.

Am Strand

Tallinn, die Hauptstadt am finnischen Meerbusen ist mittlerweile Welthauptstadt der Start-Up Unternehmen.

Das Land, das etwas kleiner ist als Niedersachsen, hatte sich am 24. Februar 1918 vom besitzergreifenden Nachbarn Russland losgesagt, temporär zumindest. Spätestens seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion jedoch geht das EU- und Nato-Land seinen eigenen Weg. Und das hat in der Hauptstadt Tallinn vor allem mit Start-Ups und Internet zu tun. Flächendeckend kostenloses Wlan, ein digitales Schul- und Wahlsystem und eine blühende Start-Up-Szene.

Wenn von der digitalen Start-Up-Szene die Rede ist, bezieht man sich noch immer gern auf das Vorzeigemodell Skype. Der Instant-Messaging-Dienst, der es lange vor der Regulierung der Roaming-Gebühren ermöglichte, dass man auch mit Freunden im Ausland länger als fünf Minuten sprechen konnte, ist mittlerweile 15 Jahre alt und macht einen Umsatz von zwei Milliarden Dollar. Die Erfolgsgeschichte soll nun abfärben. Zu den bekanntesten Start-Ups gehören heute Taxify, die europäische Antwort auf Uber. Oder Toggl, das Zeitmanagement-Tool. Wegen des digitalen Vordenkertums wird Tallinn überschwänglich als „Silicon Valley des Nordens“ angepriesen.

„Bei uns kann man alles online machen, außer Heiraten und eine Immobilie kaufen“.

Es geht um eine Änderung der Kultur; der Staat sollte sich weniger als Wächter über Informationen verstehen, sondern als Plattform für die Bürger. Deshalb treffen sich auch alle sechs Monate der Premier und die Vertreter der Start-Up-Szene, um sich auszutauschen.

Dank der „e-Residency“ kann man sich überall aufhalten, aber alle Behördenangelegenheiten online regeln. Jeder, der länger in Estland ist, kann die elektronische Identität erlangen. Für Unternehmen wie Nokia, Philips oder Ericsson und gerade Firmenneugründer ist E-Stonia deswegen ein Eldorado. Dazu heißt es, Esten könnten ihre Steuererklärung in fünf Minuten machen. Und für Unternehmen gilt eine 20-Prozent-Flat-Tax. Liberale Lässigkeit, von der Deutschland nur träumen kann.

Aber zurück zur Geschichte.

Fast die Hälfte der Stadtmauer und immerhin 26 der ehemals 40 Türme sind heute noch erhalten. Schon in der Sowjetunion wurde die Altstadt unter Denkmalschutz gestellt – Tallinn war die erste Stadt derer, die diesen Schutz erhielt.

1997 wurden die 16 Meter hohe Stadtmauer und die Altstadt mit ihren schiefen Kaufmannshäusern und dem lückenlosen Kopfsteinpflaster von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Sitz des Premierministers

1346 verkaufte der dänische König Tallin, das damals noch Reval hieß, an den Deutschen Orden. Die Stadt trat der Hanse bei, der mächtigen Vereinigung der Kaufleute in Nordeuropa.

Sie wurde zur wichtigsten Stadt des Osthandels – und damit reich. Die Stadt erwarb viele Privilegien und hatte mächtige Bürger, vor allem deutsche Kaufleute.

Am 9. März 1944 erfolgte ein schwerer sowjetischer Luftangriff. Es wurden 11 Prozent der Altstadt zerstört und 600 Tote gezählt. 

Den 2.- 4. Luftangriff konnte die zu Hilfe geeilte finnische Armee abwenden. Das rette Tallinn vor der kompletten Zerstörung und führte zu einer bis heute andauernden Freundschaft zu Finnland.

Blick „Richtung“ Helsinki

Diese Partnerschaft geht soweit, das man bereits über Talsinki oder Helinn nachdenkt. Es soll der weltgrößte Tunnel entstehen. Es soll der längste Eisenbahntunnel der Welt werden, der unter Wasser verläuft: Das Mammutprojekt „FinEst Link“ zwischen Finnland und Estland. Pläne und eine Machbarkeitsstudie zu diesem einzigartigen Bauvorhaben wurden vorgestellt. Der Tunnel könne bis zu seiner Eröffnung 2040 bis zu 20 Milliarden Euro kosten. 2040 soll er dann auch für den Verkehr freigegeben werden. So wollen sich die beiden nördlichen Hauptstädte Helsinki und Tallinn, die sich auf den gegenüberliegenden Seiten des Finnischen Meerbusens befinden, dauerhaft unter Wasser verbinden. Die jahrelangen Untersuchungen und Studien wurden nun abgeschlossen.

Der Tunnel würde die Flughäfen der Städte verbinden. In einem nächsten Schritt könnte er an die Rail Baltica – einer Eisenbahnverbindung zwischen Tallinn und Warschau, die im Jahr 2026 fertiggestellt werden soll – angeschlossen werden.

Den Nachmittag haben wir uns am Strand von Kopli verbracht. Ein wunderbarer Ort mit vielen Kitern und Naherholung für jedermann.

Die Esten haben auch eine stadtnahe Markthalle. Dort gibt es genau die Kombi zwischen kaufen und genießen, die wir in Riga vermisst haben.

Lettland und das schöne Riga

Wir verlassen unseren kleinen Ostseeort und fahren in die nahegelegene Hauptstadt Riga.

Der Autoverkehr hält sich so streng an alle Regeln, das wir staunen.

Die Hansestadt ist mit 700.000 Einwohnern die größte des Baltikums. 2016 wurde sie Reformationsstadt Europas.

Im Jahre 1522 schloss sich Riga der Reformation an, womit die Macht der Erzbischöfe ihrem Ende entgegenging.

In der Stadt leben mit 46% Letten und 40% Russen nur knapp mehr Letten. Russisch als 2. Amtssprache wurde dennoch abgelehnt.

Zunächst fahren wir den Marktplatz mit den großen Markthallen an.

Hier sind wirklich viele Menschen, Verkäufer und Kunden.

Hier gibt es ein großes Angebot einheimischer Produkte.

Die Preise weichen nicht sehr von unseren einheimischen ab.

In den riesigen Hallen wiederholen sich die Angebote, die Preise sind einheitlich und es steht einiges leer.

Wir hätten uns über kleine Snacks, Imbisse oder Restaurants gefreut. Das ist hier leider keine Geschäftsidee, sehr schade.

Der Weg in die nahegelegene Innenstadt ist kurz.

Hier wurde schon sehr viel saniert.

Die 3 Brüder ist ein Gebäudeensemble in der Altstadt. Auf kleinsten Parzellen als Gewerbe- und Handelshäuser errichtet, wurde in diesen Häusern gewohnt, gearbeitet und Handel getrieben. Alle drei Häuser sind mit Holzdecken ausgestattet, in deren Mitte sich eine Lücke befindet, durch die man Waren in die verschiedenen Stockwerke mit einem Seil herablassen konnte.

Einen großen Unterschied zu den bisher gesehenen Städten können wir kaum wahrnehmen. Auch Riga liegt an einem Fluss.

Uns gefällt, was wir sehen. Am frühen Nachmittag brechen wir auf nach Sigulda.

Diese kleinere Stadt mit unter 40.000 Einwohnern liegt in der „lettischen Schweiz“.

Aufgrund seiner bewegten Geschichte gibt es in der Umgebung von Sigulda eine Reihe Burgen und Schlösser.

Mama weiß, das hier die lettischen Rodler herkommen. Sigulda ist als Wintersportgebiet bekannt, in dem bereits Rodel- und Bob-Weltmeisterschaftsläufe ausgetragen wurden. 

Wir entscheiden uns noch an diesem frühen Abend die Grenze nach Estland hinter uns zu lassen.

Der Grenzübergang ist der erste ohne stolzes Europasymbol. Das finden wir schade.

Kurz vor Pärnu finden wir ein schönes Quartier.

Grillen trotz Wolkenbruch

Der Eingang zu unserem Hotel ist übrigens mit Schuhen dekoriert. Im Haus wird nur bar- oder sockfuss gelaufen und alle halten sich daran.

Die Kurische Nehrung – Thomas Mann & Jean Paul Sartre

07. Juni 2019

Wir haben in einem einfachen Hotel in zentraler Lage übernachtet. Dort ist man mit der Renovierung noch nicht fertig und so müssen wir bis 23 Uhr und ab 8 Uhr Handwerker ertragen. Dafür ist das WiFi gut wie lange nicht.

Fast 100 Kilometer lang, bis zu 4 Kilometer breit und riesige Sanddünen – das ist die Kurische Nehrung. Die schmale, langgezogene Halbinsel bildet einen natürlichen Damm. Er trennt das Kurische Haff von der Ostsee und hat nur eine enge, etwa 500 Meter breite Öffnung im Norden bei Klaipėda. Die südliche Hälfte der Nehrung gehört zur russischen Exklave Kaliningrad. Die nördliche Hälfte gehört zu Litauen und ist Ziel unseres heutigen Tagesausflugs.

Das Frühstück an der Ecke ist reichlich und mit 3,50€ preiswert.

Gutes Frühstück

Der erste Weg danach führt uns zur toten Düne.

Blick von der toten Düne nach Nida

Die Tote Düne hat ihren Namen von ihrem starken Bewuchs. Dieser führt dazu, dass sie heute nicht mehr wandert, also tot ist. Sehr lebendig sind hingegen die vielen bunten Heidekräuter, die überall aus dem Sand sprießen.

Wir müssen vom Parkplatz einen kurzen Anstieg zurücklegen. Der Blick Richtung Westen ist phantastisch. Man sieht eine großartige Landschaft in der Nähe und Ferne.

An einem schönen Platz mit Ausblick treffen wir auf eine junge Frau, die uns erzählt, dass dies der schönste Platz in Litauen sei.

Ein paar Meter weiter steht ein älterer Herr und geigt. Wir fragen ihn und Paula bekommt die Gelegenheit, auch ein paar Lieder zu spielen. Sehr schön.

Wir stoßen auf eine Skulptur aus Bronze, die den Besuch Jean-Paul Satres in Nehringa im Juli 1965 darstellt. Das Abbild eines Menschen, der durch die Nehrung-Düne geht und gegen den Wind und Sand kämpft, ist zum Teil des auf der Welt erkennbaren Images des Jean-Paul Sartre geworden.

Auf dem Weg nach Nida fahren wir einen knappen Kilometer nach Westen. Dort gibt es einen langweiligen Grenzübergang Richtung der Exklave Kaliningrad, aber anscheinend möchte niemand dort hin.

Grenzau von Litauen nach Russland

Wir freuten uns auf einen Besuch im Sommerhaus von Thomas Mann.

1929 kam Thomas Mann nach Nida/Nidden auf die Kurische Nehrung. In dieser „Sahara des Nordens“ ließ er sich ein Sommerhaus mit Blick auf das Haff und das Memeldelta bauen. Der Nobelpreisträger wurde zum Symbol des schwierigen Verhältnisses zwischen Deutschen und Litauern im Memelland.

Den Traum vom eigenen Sommerhaus hatte Thomas Mann bereits auf seinen Reisen nach Italien und in die Schweiz gehabt. Nun aber entschied er sich für einen Ort, der von München nur schwer zu erreichen war.

Nach einem gemütlichen Besuch des Thomas Mann Hauses, entschieden wir uns die Reise Richtung Riga fortzusetzen.

Dafür gab es noch einiges auf der Nehrung zu sehen.

Hier einige Fotoimpressionen:

Die Etappe bestand aus 300 Kilometern Fahrt. Autobahnen gibt es nicht und manche Straße sind in einem bedauerlichen Zustand, war kurzweilig.

Wir entscheiden uns bei 29° ein Quartier an der Ostsee in der Nähe von Jurmala zu suchen.

Wir genießen das wunderbare Wetter und sitzen im Garten einer lettischen Familie, Dank dem Internet.

Die Sonne wir erst 22:30 Uhr untergehen.

Fahrt durch Litauen

06. Juni 2019

Nach einem gemütlichen Frühstück brechen wir auf und fahren eine Stunde bis zur Grenze.

Die Landschaft ist großartig, das Wetter auch und die Straßen fast leer.

Inzwischen müssen auch die Uhren eine Stunde vorgestellt werden. Daran merken wir, dass wir Richtung Osten gut voran gekommen sind.

Unser 2. Land

Erster Stopp ist Trakai.

Diese Kleinstadt lockt ungewöhnlich viele Touristen an, weil hier das meist fotografierte Motiv des Landes zu finden ist. Trakai liegt auf einer wasserumgebenen Halbinsel. Von dort gelangt man über eine Brücke zur Inselburg.

Diese wurde 1414 erstmals erwähnt. Sie diente als fürstlicher Palast und später zur Verteidigung gegen die Kreuzritter.

Der Spaziergang durch die kleine Stadt gefällt uns sehr und wir verlieben uns in die bunten Holzhäuser. Außerdem sieht man von überall auf ein Gewässer.

Nun geht es ins nahegelegenen Vilnius. Wir finden eine zentrumsnahe Tiefgarage und starten in die Stadt. Nachdem Paula Google Maps falsch herum „hält“ finden wir zufällig eine Vintage Boutique mit schöner und preiswerter Kleidung. Uns fällt wieder die sehr junge und gut gekleidete Bevölkerung auf.

Am Rathaus hängt ein Schild, auf dem das Zitat von George W. Bush ist: „Jeder, der Litauen zum Feind hat, hat auch die USA zum Feind.“ Klar, gegen wen das gerichtet ist…

Wohin man in der Altstadt schaut, überall sind Kirchen. Eine neidische Polin sagte uns, dass es allein in der Altstadt wohl mehr als 20 sind. Teilweise sieht man drei auf einmal.

Wir sind uns sicher, dass Vilnius, bezogen auf die Anzahl der Kirchen im Verhältnis zur Grundfläche, Rom locker hinter sich lässt.

Vilnius ist die Stadt der Kirchen. Gut 50 Sakralbauten aus verschiedenen Epochen liegen dort teils dicht an dicht. So sieht man direkt hinter der spätgotischen St. Annen-Kirche bereits die Kirche der Heiligen Franziskus und Bernhardine.

Vilnius, ist nicht nur Hauptstadt Litauens, sondern sicher auch „Kirchenhauptstadt“. Es gibt so viele Kirchen, dass es kaum möglich ist, sie alle zu zählen. Das Kontrastreichste ist, dass es viele leuchtende, goldene und berühmte Kirchen gibt, zusammen mit einer verlassenen, die in den Straßen der Altstadt stehen. Aber definitiv sind die Kirchen interessante historische Orte, die viele nicht enthüllte Geheimnisse enthalten. Wer daran interessiert ist, zu erfahren, in welche Vilniuser Kirche sich Napoleon Bonaparte verliebt hat oder welche Kirche 2000 mumifizierte Körper besitzt, der sollte unbedingt mal hier vorbeschauen.

Die Vilniusser Kathedrale St. Stanislaus

Nach einem Besuch der Kathedrale, gelangen wir durch den anliegenden Park zum Nationalmuseum und später an die Neris, dem Fluss durch Vilnius.

Auf der anderen Seite des Flusses sehen wir ein modernes Viertel mit Hochhäusern und viel Glas. Die flächenmäßig größte Stadt im Baltikum hat vieles zu bieten.

Als wir über die Pilies schlendern, der ältesten Straße der Stadt, kann man den Gidimas-Turm sehen. Die Straße ist der ehemalige Weg von der Burg nach Süden, Richtung Polen und Russland. Über diese Straße fuhren damals Könige, päpstliche Legaten und Gesandte anderer Länder zur Burg. Adlige und reiche Städter bauten sich hier ihre Häuser. Die Universität Vilnius nahm ein ganzes Viertel an der Pilies-Straße ein. 

Pilies mit Burg
Pilies mit Hinterhof

Auf dem Rückweg zum Auto sehen wir noch das Opern- und Konzerthaus und legen einen kurzen WLAN-Stop bei McDonald’s ein.

Litauische Oper und Balletttheater

Litauen gefällt uns in der Kürze sehr gut. Ein dickes Lob an alle, die gern englisch und/ oder deutsch mit uns sprechen. Auch genießen wir die Währung, den Euro.

Allerdings gibt es ein dickes Minus. Hier kann man nur selten mit Karte zahlen. Sehr unfreundlich war eine Verkäuferin, die jammerte, wieviel es sie kostet, ein Lesegerät zu besitzen. Wir boten ihr ein großzügiges Aufrunden der Summe an. Antwort: dann sollen wir mindestens das Doppelte zahlen. Das war sehr schade im Jahr 2019 im modernen Baltikum.

Spontan fahren wir von Vilnius in die kurische Nehrung, nach Nida. Von Kleipeda geht es mit der Fähre auf die Nehrung.

Es ist zwar hell, aber 23 Uhr. Deshalb erstmal „Gute Nacht „.

In unserem Hotel finden wir ein wirklich interessantes Bad vor…